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Das Literaturfest München hat eine interessante Blogparade unter dem Motto #einwortgibt ausgeschrieben, die ich mir natürlich nicht entgehen lassen kann. Denn es geht um Sprache und den Leitsatz: „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“. Jetzt lässt mich der Gedanke nicht mehr los, inwiefern dieser Satz auf mich und mein bikulturelles Leben zutrifft.

„Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“: Manchmal scheint es mir schon so, dass in einer binationalen Ehe die sprachlichen Unterschiede auch die Beziehung begrenzen. Mein Mann und ich haben unterschiedliche Muttersprachen und verständigen uns in einer Fremdsprache, die wir zwar beide gut beherrschen, die uns aber immer wieder an unsere sprachlichen Grenzen bringt. Meist unterhalten wir uns mittlerweile auf Deutsch. Aber immer, wenn es emotional wird, kommt unsere „Beziehungssprache“ Französisch zum Einsatz. In dieser Sprache haben wir die ersten Worte gewechselt, unsere Beziehung ist in dieser Sprache gewachsen und hat das Fundament unserer Ehe gelegt. Aber wir verstehen uns auch immer wieder miss in dieser fremenden Sprache, die wir beide erst in der Schule gelernt haben. Sie zeigt uns immer wieder unsere sprachlichen Grenzen auf. Manchmal fühle ich mich beengt in unserer sprachlichen Beziehungswelt und manchmal fühle ich wahnsinnig viel Freiheit durch diese Sprachvielfalt. Diese (Wort-)Welt, die nur uns gehört, denn irgendwann haben wir ganz selbstverständlich angefangen unsere ganz eigene Sprache zu finden – barrierefrei. Grenzenlos.

Begrenzt fühlen wir uns vor allem in hitzigen Diskussionen oder bei Auseinandersetzungen: Manchmal verwendet mein Mann Vokabeln, die ich nicht kenne, die ich dann missinterpretiere und schon habe ich meine Grenzen erreicht. Denn soll ich in dieser Situation dann einfach aus der Diskussion aussteigen und sagen: „Warte mal, ich hab das jetzt nicht ganz verstanden, ich muss das erstmal nachschlagen?“ Und wie geht es wohl meinem Mann? Denn seine Muttersprache ist Arabisch – das verstehe ich widerum fast gar nicht, während er mittlerweile sehr gut meine Muttersprache spricht. So kann ich zwar problemlos ins Deutsche wechseln, er muss sich aber immer mit einer Fremdsprache behelfen.

Ein paar Beispiele: Wenn ich emotional bin spreche ich meist Deutsch und vergesse manchmal, dass mein Mann nicht alles versteht. Aber habe ich dann nicht schon eine Grenze überschritten, wenn ich nur noch sende und mich gar nicht mehr darum sorge, ob mein Empfänger mich noch versteht? Oder zu Beginn unserer Beziehung, als mein Mann noch kein Deutsch sprach, musste ich oft für ihn sprechen. War sein Sprachrohr. Das hat uns beide an unsere Grenzen gebracht. Und manche sprachlichen Missverständnisse sind einfach nur schön: Ich habe zu meinem Mann zum Beispiel viel früher als gedacht „Ich liebe dich“ gesagt, weil ich es mit „Ich mag dich sehr“ verwechselt hatte. Dieses „Missgeschick“ ist mir aber erst drei Jahre später bewusst geworden.

Jetzt genießen wir mittlerweile die Sprachvielfalt in unserer Beziehung sehr und erweitern damit unseren Spielraum. Auch unser Sohn soll mehrsprachig aufwachsen. Denn die Möglichkeiten die (Fremd)Sprachen uns bieten sind grenzenlos und bedeuten für mich Autonomie und Vielfalt. Sprache ist vor allem eines: unbeschreiblich schön und unbeschreiblich frei.

Urheber Beitragsbild: designed by Vvstudio – Freepik.com

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